Grenzerfahrungen JKU-Gazell-Anbau!

Es liegen nun über 30.000km und ein gutes Jahr in Sand und Matsch hinter dem Umbau auf das Gazell-Dach. Darum und aufgrund der vielen Anfragen bezüglich unserer Erfahrungen mit dem Anbau, möchte ich nun einmal unsere positiven wie negativen Erfahrungen zusammentragen und ein vorläufiges Fazit zu der Entscheidung ziehen.

Die Entscheidung für das Dach fiel aus diversen Gründen. Besonders wichtig war der erhoffte Komfortgewinn. So wollten wir die Möglichkeit haben im Auto auch bei schlechtem Wetter einige Zeit aushalten zu können. Eine Möglichkeit haben uns im Auto umzuziehen und bei Bedarf sogar im Auto zu kochen. Zusätzlich ist die Wärmeerhaltung im Auto mit innenliegendem Dach besser, als in einem separaten außenliegenden Dachzelt. Erfüllten sich diese Hoffnungen?

Ja, absolut. Der zusätzliche Komfortgewinn ist dank der Verlängerung von 40cm auf jeden Fall gegeben. Abende auch im Auto zu verbringen ist angenehm und hat durchaus auch etwas gemütliches. Wir haben den Innenausbau so gestaltet, dass auf jeder Seite bequem eine Sitzgelegenheit entsteht. Auf einen zusätzlichen Tisch, wie ihn Gazell selbst anbietet, haben wir verzichtet. Vermisst hatten wir ihn bisher noch nie. Der Innenausbau selbst stellt einen weiteren großen Zugewinn dar. Im Gegensatz zu anderen Ausbauvarianten mit Auszug und Staukästen, haben wir ein vernünftiges Regalsystem und Ordnung im Heck. Wir können jederzeit in den mittleren Gang einsteigen und alles hat einen zugänglichen Platz und zudem so verstaut, dass nichts bei robusten Fahrmanövern durch die Gegend fliegt. Wirklich wertvoll aus unserer Sicht!

Die 40 cm sehen nicht so aus, bringen aber wirklich viel Platz. In der Verlängerung hat bei uns perfekt die Planar 2D Luftheizung gefunden. Sie heizt das Innere gut auf. Hinter dem ausgezogenen Bett lässt es sich weiterhin bequem stehen und sich umziehen.

Genug Platz für zwei! Auch wenn jemand oben im Bett liegt. Es hat eine 2m Liegefläche, für längere Personen dann an den Füßen allerdings etwas knapp. Das sollte man vorher ausprobieren.

Die Standardmatte des Bettes war uns zu hart. Wir haben sie durch Schaumstoff und eine Memory-Schaum-Matte ersetzt. Ist definitiv bequemer. Das Dach schließt auch so noch, allerdings ist es jetzt etwas straffer. Viel Luft ist nicht mehr. Die Verriegelung erfolgt durch Spanngurte. Das ist primitiv aber dafür auch funktional. Sie müssen jetzt aber nach einem Jahr ausgetauscht werden, weil sie langsam ausfransen. Dach Dach hält im geschlossen wie offenen Zustand dicht. Der Zeltstoff ist dicht. Das Undichtigkeitsproblem des JK-Hardtops an Fahrer- und Beifahrertür konnte der neue Aufbau allerdings nicht lösen. Bei ungünstigem Winkel läuft Regenwasser immer noch rein. Weiterhin ärgerlich, aber dem grundsätzlichen Konstruktionsfehler des JKs an dieser Stelle geschuldet.

Die Abdichtung des hinteren Verlängerungsanbausatz war zu Beginn ein Problem. Wir hatten es nur verschraubt, so wie von Gazell vorgesehen. Dadurch kam aber sehr viel Staub ins Innere des Fahrzeugs. Nachdem wir es dann soweit möglich abgedichtet hatten, war dieses Problem großteils gelöst. Am Boden sind allerdings einige Löcher und Spalten, die Abdichtung bedürfen. Besonders gilt dies für das hintere mittige Fach. Sollte hier nicht ausreichend abgedichtet werden, wird es bei der nächsten tieferen Wasserdurchfahrt nass. Bei uns besonders ungünstig, weil hier die Standheizung sitzt.

Die Sandspuren waren gute Indizien für weitere Löcher, die gedichtet werden mussten.

Unser letzter Trip nach Rumänien durfte dann auch die wirkliche Geländefähigkeit des Anbaus testen. Und hier liegt auch wirklich der Kompromiss, der eingegangen werden muss. Sofern das Fahrwerk nicht gigantisch hoch gelegt wurde (3,5zoll aufwärts), ist der hintere Böschungswinkel die Achillesferse. In der Mitte steht durch die ausziehbare Leite ein robuster Stahlteil des Anbaus am tiefsten. Er nimmt mögliche Bodenkontakte gut auf und hält auch einiges aus. Die Steifheit des Anbaus ist gut. Sie ist durch die Verschraubung an der Karosserie und am Top sehr gut gewährleistet. Es gibt bei Verschränkungen keine deutlichen Geräusche von sich. Unser vorheriger Rhinorack-Dachträger war da deutlich lauter. Schlechter sieht die Widerstandsfähigkeit an der GFK-Stoßstange an den Seiten aus. Aus optischen Gründen steht diese besonders tief und bilden bei Durchfahrten oft die ersten Kontaktpunkte. Das GFK bricht dann, wie hier eindrucksvoll demonstriert.

Im Rumänischen Wald hat die Stoßstange nicht nur von unten her gelitten, sondern besonders auch durch seitliche Kontakten bei schräger Fahrt.

Für mich ergab sich daraus die pragmatische Lösung einfach die ganze Stoßstange abzunehmen und nur den mittleren Teil um die Treppenstufe zu behalten. Praktisch auch deshalb möglich, weil die originale Stoßstange ja weiterhin vorhanden ist und genutzt werden kann.

Danach ergibt sich ein deutlich besserer Winkel, besonders bei einer etwas schrägen Fahrt in Mulden und Kuhlen.

Bei Zeiten werde ich noch ein Stahlrahmen unter die Verlängerung bauen, um eine optische Abgrenzung zu schaffen. Natürlich ist jetzt die Verlängerung seitlich weniger geschützt. Das sollte beachtet werden bei anspruchsvoller Geländefahrt.

Das Mehrgewicht des Aufbaus ist mit 100-150kg sicher nennenswert und für den eh schon schweren JKU eine nicht zu unterschätzende Größe. Viel Luft für Stahlstoßstange und co. ist nicht mehr, sollte man auf das (aufgelastete) Maximalgewicht schauen. Ein Nachjustieren der Federn war bei uns deshalb auch notwendig. So waren hinten die stärksten OME-Federn zu schwach und wir mussten uns selbst welche anfertigen lassen. Dies scheint nun aber eine sehr gelungene Lösung zu sein.

Das Dach bietet an den Seiten die Möglichkeit im guten Landrover-Stil Sandbleche und 20l-Kanister zu befestigen.

Was bleibt: Der Anbau ist definitiv die aus meiner Sicht sinnvollste Möglichkeit des Komfort- und Raumgewinns für den Jeep Wrangler JKU. Dem Usar Minor als Alternative für ein innenliegendes Dachzeit fehlt der zusätzliche Raum und ist mit seinen gut 10-12t Euro meiner Meinung nach nicht ein so großer Mehrwert. Ist es einem ein Preis um die 15-17t Euro für den Gazell-Anbau wert, ist dies sicher eine sehr gelungene Alternative zu außenliegenden Dachzeltlösungen. Die Fahrgeräusche mit einem externen Dachzelt sind höher. Ich habe mein Zelt immer dabei, es stört bei Nichtbenutzung nicht, der Schwerpunkt wird nicht erhöht und die Höhe bleibt zu alternativen Lösungen sehr niedrig. Die Optik bleibt stimmig. Ich bleibe bei meinem ersten Eindruck:

Der Anbau ist teuer, bringt aber viele Vorteile. Er ist in sich gut gemacht und robust genug für ein Offroader. Die Verarbeitungsqualität besonders im inneren ließe sich sicher verbessern, erst recht für den Preis. Die Geländeeigenschaften sind, nach der „Modifikation“ der Stoßstange ok. Der Kompromiss ist hinnehmbar, auch für härteren Einsatz im Gelände.

Was noch zukünftig zu erledigen bleibt, wäre das Anbringen eine Markise. Das ist mit dem Hubdach aus meiner Sicht nur durch eine Kederschiene möglich. Da auch ein Winterurlaub ansteht, werden wir noch das Dachzelt mit einer zusätzlichen herausnehmbaren Isolierschicht bestücken. Das Dach hat Klettbänder, die ein Einkletten zusätzlicher Dämmung ermöglichen.

Solltet ihr Fragen haben, oder Anmerkungen, nutzt die Kommentarfunktion! 😉 Ich freue mich drauf!

4 Kommentare zu “Grenzerfahrungen JKU-Gazell-Anbau!

  1. crosscountry

    Prima berichtet!!!

    Wäre genial, wenn man noch ein paar mehr Details von Deinem Innenausbau sehen könnte, a la „Küche&Vollbad drin“?

    Es sieht so aus, als wenn Ihr ohne Rückbank fahrt, oder zumindest flachgelegt, korrekt?

    Paßt mit dem Anbau auch noch eine AHK?…Sieht eigentlich so aus, nur der Anhänger muß vorne entsprechend lang sein bevor ein Aufbau, Bordwand o.ä. kommt…

    Wie bekommt man eigentlich das Heck von innen zu? Sind dafür die beiden schwarzen Schnüre, die innen an der Hecktür baumeln?

    Ja, Markise muß bei so einem Anbau sein, sollte eigentlich als Standard dabei sein…ditto vernünfitge Abdichtung wo immer nötig…

    1. DeKro Autor des Beitrags

      Fotos vom Innenausbau werde ich hier noch ergänzen. Danke für den Hinweis. Soviel sei gesagt: Vollbad klappt nicht! 😉

      Rückbank ist draußen. Ich habe den Innenausbau aber so konzipiert, dass die hinteren Schränke auch mit Rückbank passen. Bisher hatte ich sie aber immer rausgenommen.
      Anhängerkupplung ist so eine Sache. Theoretisch passt sie runter, eine Verlängerung der Aufnahme müsste allerdings irgendwie konstruiert werden. Angeblich würde Gazell daran arbeiten, bisher habe ich aber noch nicht gehört. Ohne Modifikation wird dir das kein TÜV oder Polizist abnehmen…

      Der Schließmechanismus der Hecktür ist recht simpel gehalten. Da ist leicht eine Zugschnurr angebracht, die die Tür dann von innen öffnet.

  2. Klaus Geidel

    Meine Erfahrung zum Thema Markise (Foxwing ECO am kurzen Wrangler JK):
    Bei Offroadreisen mit täglich wechselndem Übernachtungsplatz ist die Markise überflüssig – zu umständlich im Handling für die schnelle Mittagspause – abends sitzt man am Lagerfeuer und wenn’s Mal regnet klappt man das Teil nicht aus weil man’s nicht nass einklappen will 😉 . Die zusätzlichen 15kg Dachlast machen sich ebenfalls negativ bemerkbar beim engagierten Offroad fahren.
    Sobald man aber ein paar Tage irgendwo steht, oder weil man allein reisend keinem Zeitplan einer Reisegruppe unterworfen ist, dann ist die Markise eine gute Erweiterung des Wohn und Lebensraumes. Optional mittels Klettband und Druckknöpfen zu befestigende Seitenwände schaffen zusätzlichen Sicht- und Wetterschutz.
    Deshalb hab ich die Befestigung der Markise so gestaltet das dieselbe je nach Einsatzzweck Zuhause leicht an- bzw. abgebaut werden kann.

    1. DeKro Autor des Beitrags

      Danke Klaus für deine ausführlichen Ergänzungen zum Thema Markise. Da ist natürlich viel Wahres dran! 😉

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