Reiseziel Marokko?

 

Bevor wir über Marokko selbst berichten wollen, einmal zu den zentralen Fragen, die jeden potentiellen Marokko/Sahara-Neuling zuallererst beschäftigen werden:

Nach Marokko mit dem eigenen Auto?

Lohnt sich der Aufwand denn überhaupt?

Ist Marokko ein sicheres Land?

Kann man das Abenteuer alleine wagen?

 

 

Mit dem eigenen Auto? – Mit was denn sonst? Marokko bietet unglaublich viel Abwechslung, von fantastischen Berglandschaften der Atlas-Gebirge, über Steppen, bis hin zu Ausläufern der Sahara. Mit dem eigenen Offroader ist es ein besonderes Erlebnis, natürlich vor allem die Wüste. Auch wer nicht so gerne Wild campen will, findet viele Campgrounds in den interessanten Gebieten. Viele sind gut ausgestattet, einige recht spartanisch.

Der Straßenverkehr ist anders. Gefahren wird alles, was sich noch bewegen lässt. Nachts wird die Beleuchtung oft vergessen, aber sonst gibt es in Europa schlimmere Länder, was die Aggressivität im Verkehr betrifft.

Anreise ist über Genua (2 Tage) oder Barcelona (1 Tag) per Fähre möglich. Alternativ über Spanien und Gibraltar, hier dauert die Überfahrt nur etwa eine Stunde. Es kann dabei die spanische Enklave, oder auch Tanger Med angesteuert werden. Rechnet man Sprit und Maut mit ein, geben sich beide Varianten wohl nicht viel. Zur Einreise muss ein Einreiseformular ausgefüllt werden, das entweder über die Reeder zu bekommen ist, oder direkt bei der Grenzabfertigung. Der Grenzübertritt ist chaotisch, es gibt Grenzer und „Helfer“, die dein „Bestes“ wollen. Aber auch das ist definitiv eine Erfahrung wert und machbar. Es gibt eine Reihe von Einreisebeschränkungen, doch bisher hatten wir nie eine ersthafte Kontrolle des Autos. Hier scheint der Touri-Bonus zu zählen.

In Marokko findet man überall eine Werkstatt, die sicher nicht mit deutschem Standard mithalten kann, Autos aber durchaus wieder fit bekommt!

Versicherungstechnisch muss darauf geachtet werden, ob die eigene Versicherung Marokko in ihrer grünen Karte aufgeführt hat. Ansonsten muss eine Grenzpolice für den Haftpflichtschutz (auch von Deutschland aus möglich, zum Beispiel über TourInsure) abgeschlossen werden. Kostet uns ca. 200 Euro für einen Monat. Mittlerweile haben wir die Versicherung gewechselt. So ist auch ein Kaskoschutz möglich. Es gibt noch einige deutsche Versicherungsgesellschaften (bsp. AllSecur), die eine Abdeckung für Nordafrika haben, auch für „normale“ PKWs.

Für den Fall der Fälle sollte noch eine Mitgliedschaft im ADAC/AvD bestehen, die einem weltweiten Rücktransport zusichert.

 

Lohnt sich der Aufwand überhaupt? –  Absolut. Uns hat besonders das Abwechslungsreichtum beeindruckt. Im Norden oberhalb Marrakeschs noch sehr südeuropäisch, wird es im Süden eine Wüste. Geteilt durch drei Gebirge, die alle unterschiedlicher nicht sein können. Vieles ist mit dem Auto zu befahren, es gibt Offroad-Strecken durch die Gebirge, oder aber asphaltierte Wege. Zu guter Letzt natürlich auch die Sahara. Die beiden Wüstengebiete Erg Chegaga und Erg Cheby sind dann für Wüstenneulinge ein besonderes Highlight. Die Küstenlinie ist anfangs sehr touristisch, im Süden dann aber immer einsamer. Auch die Städte haben ihren Scharm, besonders natürlich die Königsstädte.

Über unsere Highlights werden wir separat nach und nach schreiben. Einige erste bildlichen Eindrücke aber trotzdem bereits hier:

Die Aussicht vom Tizi-n-Taz, einem der Pässe durch den hohen Atlas.

Die Straße durch die Dades-Schlucht bietet viele herrliche Blicke.

Die Marokkanischen Berge sind enorm abwechslungsreich in Farbe und Gesteinsart.

Arg Chegaga, natürlich ein Highlight für alle Wüstenfans!

 

Ist Marokko ein sicheres Land? – Was ist denn aktuell überhaupt ein Kriterium für sicher? Schaut man auf die Reisewarnungen des Auswärtigen Amts, so wird besonders vor dem Grenzgebiet nach Algerien gewarnt und vor Dieben in den Touristenstädten. Beides mag stimmen, beides stellte sich für uns aber als unproblematisch heraus. Die Sahara-Ergs liegen im Grenzgebiet zu Algerien, es gibt viele Militärposten und man bekommt den Eindruck, die Militärs wissen recht gut, wo man sich aufhält. Bei jeder Kontrolle muss ein fiche mit allen wichtigen Infos zu Personen und Auto abgegeben werden. Fährt man zu nah an die Grenze, so wird man wohl wieder zurückgeschickt.

Auf den normalen Straßen gibt es unzählige Polizeikontrollen, die wir aber mit wenigen Ausnahmen immer unbehelligt passieren konnten. Auf das Einhalten der Geschwindigkeiten sie hier hingewiesen. Fast immer wird an den Polizeikontrollen auch gelasert.

Die meisten Marokkaner waren stets nett und freundlich. Angst hatten wir bisher noch nie gehabt! Auch in den abgelegensten Bergdörfern wird man durch winkende Kinder begrüßt. Natürlich gibt es viel Armut und gebettelt wird auch. Aber das hält sich in Grenzen.

 

Kann man das Abenteuer alleine wagen? – Sicher eine sehr wichtige Frage. Möchte man Offroad fahren und die Wüste erleben, sollte man sich sicherlich Reisebegleiter suchen. Für den größten Teil des Landes ist das aber nicht unbedingt notwendig. Zumal man doch oft auf Gleichgesinnte trifft und sich spontan abstimmen kann und einzelne Touren gemeinsam zu fahren. Touren und Tracks findet man über Marokko viele. So bieten bekannte Autoren (Pistenkuh oder MDMOT) GPS-Daten und Tracks an. Die der Pistenkuh hatten wir das letzte Mal und waren nicht enttäuscht. Es sind grandiose Touren darunter und zusätzlich viele nützliche Tipps. Darüber hinaus gibt es einige Reiseführer, die sich für Marokko lohnen. Erwähnt sei hier der Reiseführer von Edith Kohlbach

Das Anschließen an eine geführte Tour ist ebenfalls eine gute Idee, sicher auch dann, wenn man (wie wir) noch keine Wüsten- oder Afrika-Erfahrung hatte. Wir fuhren mit 4×4-Adventures und waren begeistert von Ute und Walter, die uns eine grandiose Tour bereiteten! Für uns öffnete sie ein Tor, das wir dann selbst erneut durchschritten.

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